Geschichte und Bild des Monats - März

Die Hemlocktanne und die Schwalbe

"Endlich wieder hier!", sagte die Schwalbe und ließ sich auf dem Zweig einer Hemlocktanne nieder.

"Wo kommst du denn her?", fragte der Baum.

"Von meiner Reise nach Afrika. Jedes Jahr im Herbst sagt mir meine innere Stimme, ich soll in den Süden fliegen. Im Frühling zieht es mich dann zurück in den Norden. Ich liebe das Reisen und habe schon viele Länder gesehen." Nach einer kurzen Pause ergänzte der Vogel: "Du wirst das kaum verstehen. Du bist ja ein Baum und immer an diesen Ort gebunden."

"Ich kann mich nicht von der Stelle bewegen, so wie du", erwiderte die Hemlocktanne. "Aber ich möchte das auch gar nicht."

"Willst du überhaupt nicht wissen, was es sonst noch auf der Welt gibt?", fragte die Schwalbe.

"Immer wieder siedeln sich neue Pflanzen in meiner Nähe an, und andere verschwinden wieder. Viele Tiere kommen gerne zu mir, ich brauche nicht zu ihnen zu gehen. Ich liebe es, mein nächstgelegenes Umfeld im Lauf der Jahreszeiten zu erleben. Es verändert sich ständig und ich bin mittendrin. Das gefällt mir. Es ist ein bisschen, wie Reisen. Man sieht ständig etwas Neues."

"Und du möchtest wirklich nie irgendwo anders hin?"

"Nein, ich bin glücklich hier. Etwas anderes entspräche auch nicht meinem Lebensentwurf. Trotzdem kann auch ich reisen."

Der Schwalbe fiel es schwer, die Hemlocktanne zu verstehen, deshalb erklärte diese: "Bäume reisen anders als Vögel. Meine Art stammt aus Nordamerika. Als ich noch ein ganz kleines Samenkorn war, kam ich nach Europa und nun lebe ich hier. Aber meine Samen verbreiten sich weiter und mit ihnen reist auch immer ein Teil von mir. Die Reise der Bäume ähnelt der Reise von Gedanken. Beide können reisen, ohne, dass sich der Baum oder der Denker jemals selbst bewegen müssten."




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