Geschichte und Bild des Monats - April

Die Krokuswiese

Endlich war der Schnee getaut und in der ersten Frühlingssonne erwachten die Krokusse. Fröhlich streckten sie ihre Blättchen empor. Die Wiese war noch braun vom Winter, doch gerade darum leuchteten die ersten Blüten umso mehr. Schon bald verwandelte sich die Wiese in ein buntes Meer aus Krokussen. Bienen summten herbei, landeten auf den zarten Blüten, bestäubten sie und sammelten Nektar. Auch Menschen wurden von der Frühlingssonne in die Natur gelockt.

 

"Seht die schönen Blumen", riefen Sie erfreut. Doch sie bemerkten nicht, dass sie sich auf die Blumen setzten und diese unter ihren Schuhen zertraten. Sie sahen nicht, dass immer mehr dieser zarten Geschöpfe zerstört am Boden lagen und sich die paradiesische Wiese in ein Schlachtfeld verwandelte.

 

Die Bienen flogen irritiert davon. Für die Krokusse ging es um Leben und Tod, aber kein Mensch verstand sie.

 

Am Abend, als schon alle Menschen in ihre Städte und Häuser zurückgekehrt waren, lief ein Mädchen auf dem Weg am Rand der Wiese entlang. Sie sah die zertretenen Blumen, bückte sich und versuchte einige von ihnen wieder aufzurichten. Aber es gelang ihr nicht.

 

"Was haben sie nur mit euch gemacht?", fragte das Mädchen. Tränen liefen ihr über die Wangen und tropften auf die Blüten, welche wie Leichen auf der Erde lagen. "Wenn ich euch doch nur helfen könnte," sie schluckte und rang um Atem. Schließlich sagte sie: "Ich kann euch nur noch einen letzten Rat geben: Vergebt ihnen, manchen Leuten ist nicht bewusst, was sie tun."




Kommentar schreiben

Kommentare: 0