Geschichte und Bild des Monats - Juli

Eigentlich wollte ich in dieser Blog-Serie nur über wilde Tiere und Pflanzen schreiben. Doch heute möchte ich ausnahmsweise einmal von einem Haustier erzählen, meinem Kater Nero. Er ist mein liebster Freund. Wenn ich meine Bücher schreibe, liegt er oft auf dem Schreibtisch neben meinem Laptop, oder er ist sonst irgendwo in meiner Nähe. Von Nero habe ich etwas sehr Wichtiges gelernt. Wir lieben beide die kleinen Freuden des Lebens, doch in schweren Zeiten fällt es mir manchmal nicht leicht, mich darauf zu konzentrieren. Er hat mir gezeigt, wie wichtig und wohltuend es besonders in diesen Zeiten ist, die Aufmerksamkeit auf die schönen und kleinen Dinge zu lenken, denn gerade hier entfalten sie ihre größten Wunder. Davon möchte ich in dieser Geschichte erzählen.

Der einäugige Kater

Schmerzen beherrschten seinen ganzen Körper und der alte Kater fühlte sich so matt, wie noch nie in seinem Leben. Wieder tropfte Blut aus seinem kranken Auge, er wischte es mit der Pfote ab, welche bereits rot war vom Blut. Doch Katzen sind zäh, egal wie gut oder schlecht es dem Kater gerade ging, er stöhnte und jammerte nie. Er lenkte seine Aufmerksamkeit lieber auf die kleinen und schönen Dinge im Leben, von denen eine ganz besondere Kraft ausgeht.

 

Der Kater schleppte sich zum Teich und setzte sich auf seinen Lieblingsplatz zwischen Wolfsmilch und Frauenmantel. Gut versteckt konnte er hier direkt am Teichrand sitzen und doch hatte er alles im Blick. Kleine Libellen schwirrten aufgeregt zwischen den Binsen herum. Auf dem Mooskissen zwischen den Steinen saß wie ein König, der größte aller Frösche. In einer weißen Seerosenblüte saß der dreibeinige Frosch, der offenbar trotz seiner Behinderung gut leben konnte, denn er kam schon seit mehreren Jahren zum Teich. An einem Lilienblatt krabbelte eine Larve der Mosaikjungfer empor. Diese wollte der Kater weiter beobachten, denn sie würde in Kürze aus ihrer Larvenhülle schlüpfen und ihre großen durchsichtigen Flügel entfalten. Bewundernd sah er dem Ereignis zu, es war, wie bei einer Geburt dabei zu sein. Für eine Weile vergaß er sein Leiden, er schlief ein und nahm das Glück der kleinen Dinge mit in seine Träume.

 

Doch die Augenoperation war kein Traum. Als er erwachte, waren die Schmerzen fort und er fühlte sich wie neugeboren. Als Erstes ging er wieder an den Teich, er wollte trinken und die Libellen, Frösche und Schmetterlinge wiedersehen. Die Natur war der beste Balsam für seine Seele. Die Wunde heilte rasch und auch mit einem Auge wird er noch einen schönen Lebensabend haben.




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