Geschichte und Bild des Monats - August

Die schöne Prachtlibelle

"Seht, wie schön ich bin!", sagte die eben geschlüpfte Blauflügel-Prachtlibelle.

Doch an dem kleinen Bach war sie nicht die einzige ihrer Art. Sie war nichts Besonderes und keiner würdigte ihre Schönheit. Auf der Suche nach Bewunderern streifte sie weit umher. Sie flog durch ein Ried, an einem Seeufer entlang und überquerte einen Fluss. Aber niemand beachtete sie. Schließlich kam sie an einen Teich und setzte sich traurig auf ein Lilienblatt. Andere Libellen flogen umher, doch keine war so prachtvoll wie sie. Voller Hoffnung wiederholte sie ihren Satz, den sie schon so oft vergeblich gesagt hatte: "Seht, wie wunderschön ich bin!"

"Als ob das wichtig wäre", sagte eine Adonislibelle verächtlich.

"Für mich ist es das Wichtigste, ich will die Schönste sein und ich will bewundert werden. Aber das wirst du mit deinen unscheinbaren Flügeln nicht verstehen …"

 

In diesem Moment bemerkte die Prachtlibelle die Fotografien, welche ihre Kamera auf sie gerichtet hatte. Endlich jemand, der ihre Schönheit zu würdigen wusste. Selbstsicher blickte sie genau in die Kamera. Sie öffnete ihre blau schillernden Flügel und zeigte ihre ganze Eleganz. Auch suchte sie nach immer würdevolleren Sitzplätzen, ein anderes Lilienblatt, der Halm einer Binse, ein Seerosenblatt. Die Fotografin richtete ihre Kamera wieder und wieder auf die Libelle. Außer der Kamera bemerkte diese in ihrem Stolz nichts mehr.

 

Doch auch ein Frosch hatte die außergewöhnliche Libelle entdeckt. Er fand sie ebenfalls wunderschön – zum Fressen schön. Und als die Libelle auf dem Seerosenblatt, dicht am Wasser saß, ließ er ihr seine Art von Aufmerksamkeit zukommen. Zielsicher schnappte er seine Beute. Die Prachtlibelle konnte nur noch einmal kurz mit den Flügelspitzen zucken, mehr war von ihr nicht mehr zusehen. Dann verschwand sie im Maul des Frosches.




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