Geschichte und Bild des Monats - Dezember

Der Traum des roten Steines

Im Tal herrschte schon lange eine Dürre. Der Regen war ausgeblieben, der Fluss zu einem winzigen Rinnsal geschrumpft, die Pflanzen vertrocknet und die Tiere hatten die Gegend verlassen.

 

"Eines Tages werden wir etwas Großes vollbringen!", verkündete der rote Stein, welcher weit oben am Hang lag, den anderen Steinen. "Wir werden dieses Tal neu beleben. Nie wieder wird es so trostlos sein wie jetzt. Dieser winzige Bach dort unten wird zu einem See werden. Die dürre Landschaft wird wieder ergrünen und die Tiere werden zurückkehren."

 

Die anderen Steine murrten jedoch nur: "Wir sind nur Steine, wir haben nicht den geringsten Einfluss auf irgendetwas. Wir sind der Welt machtlos ausgeliefert."

Kein Stein hörte dem roten Stein mehr zu, wenn dieser von seinem Traum sprach.

"Ich allein kann das Wunder nicht vollbringen", sagte der rote Stein zu sich selbst, "aber ich werde der Auslöser sein und ihr werdet mir alle helfen, wenn die Zeit gekommen ist."

 

Der rote Stein wartete auf einen ganz besonderen Moment und er wartete lange, aber seinen Traum vergaß er nicht. Eines Tages zogen endlich dicke Wolken über die Berge herbei und brachten ein heftiges Gewitter. Der Regen schoss in Bächen zu Tal. Der rote Stein lockerte sich und stürzte sich zusammen mit dem Wasser den Hang hinab, dabei riss er immer wieder andere Steine mit, welche wiederum Steine mit sich rissen. Immer mehr Steine rollten bergab. Schließlich kam der ganze Hang ins Rutschen. Unten im Tal blieben die Steine liegen und bildeten einen Wall, dieser staute das Regenwasser und alles trat so ein, wie der rote Stein es vorausgesagt hatte. Die anderen Steine waren überwältigt, von dem, was sie gemeinsam vollbracht hatten.




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